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† Dr. phil. André Jean Racine

Jean Racine ist am 24 Dezember 2003
in seinem Haus in Mühledorf gestorben.


Todesanzeige

Chanson
Vivre, c’est un peu
comme une danse:
on a plaisir à commencer -
un piston, une clarinette -
on a plaisir à s’arrêter -
le trombone est essoufflé -
on a regret d’avoir fini,
la tête tourne et il fait nuit.
 

C. F. Ramuz
 

Es ist Sonntag.
Und im Sonntag ist es Morgen,
und im Morgen weht der Wind,
und im Wind fliegen all meine Sorgen wie scheue Vögel davon.
 

Robert Walser


Mühledorf, 24. Dezember 2003
Dr. André Jean Racine – Le Pape
1939
 

Seine Stimme ist verstummt. Jean Racine ist nach einer heimtückischen Krankheit im Kreise seiner Familie und Freunde allzu schnell gestorben. Er hat sein Schicksal angenommen.
 

Wir werden ihn sehr vermissen.
 

  • Christine Le Pape Racine mit Eltern
  • Matthias Racine, Eveline Fluri mit Amélie Zoé
  • Anne Racine, Raffael Haldimann Racine mit Leya, Eline und Luan
  • Marlise Bickel mit Kindern
  • Denise und Albert Ertsinian mit Kindern
  • Françoise Racine und Christian Hophan
  • Marietta Racine-Caccivio und Peter Arn
  • Verwandte, Freunde und Bekannte

 

Die Urne wird im engsten Familienkreis beigesetzt.
 

Eine Abschiedsfeier findet am Freitag, 9. Januar 2004, um 15.00 Uhr, in der Reithalle Solothurn statt. Wir laden alle ein, die sich von Jean Racine verabschieden möchten.
 

Wir danken allen Freunden und Freundinnen und allen Bekannten, die Jean Racine in der letzten Zeit und während seines Lebens begleitet haben.
 

Anstelle von Blumen möchten wir das “Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH” PC 80-188-1 oder Amnesty International, Schweiz, PC 01-53835-2 unterstützen.
 

Es werden keine Leidzirkulare versandt.
 

Abschiedsreden

Abschiedsreden vom 9. Januar 2004
in der Reithalle, Solothurn

 

Alfred Maurer

Jean Feier
 

Wir hörten
 

das afrikanische Lied Duonane Paradiso und
 

das lateinische Lied Alta Trinita Beata
 

vorgetragen vom Chor der Pädagogischen Hochschule
 

unter der Leitung von Niklaus Spielmann.
 

Liebe Christine, liebe Anne, lieber Mätthu, liebe Familie, liebe Freundinnen, Freunde und Bekannte. Jean wusste, wo der Anlass stattfinden soll, wer mitwirken soll. Er wusste nur nicht wann! – Als Christine, Anne, Mätthu und ich uns zusammensetzten, um den heutigen Anlass vorzubereiten, überlegten wir, wie wir den Anlass nennen sollten; wie Jean diesen Anlass gestaltet hätte. Mätthu erzählte, Jörg Steiner habe gesagt, zur Abdankung könne er leider nicht kommen, aber am Fest sei er dabei. Die Sine Nomine titelte ihre Vorbereitungen Erinnerungsfeier, Sämi Schild sprach am Telefon von Jean’s Abschiedsfeier und Denise, Jean’s Schwester aus Kanada meinte, bei ihr sage man „the celebration of life“.
 

Bei den Vorbereitungen ist mir aufgefallen, dass, wenn wir vom Leben sprechen, wir oft vom Tod reden und dass, wenn wir vom Tod reden, wir meistens vom Leben sprechen.
 

Heute wollen wir vom Leben von Jean Racine sprechen, von Erinnerungsbildern. Ein Bild finden Sie projiziert auf der Wand der Reithalle. Die Fotografie stammt von Rosmarie Meister. Kurt und Rosmarie Meister haben sie mit dem Satz „Jean in seinem Element“ betitelt und sie Christine als Erinnerung geschickt.
 

Ein Bild, von den zahlreichen Bildern, die mir als ehemaligem Schüler von Jean speziell in Erinnerung bleibt, steht im Zusammenhang mit dem Schulspiel. Es ist das Bild der Commedia del Arte. Jean vereinigte für mich gleich alle Charaktere der verschiedenen Figuren in sich. Er war sowohl Pantalone, der Lustvolle, Dottore, der Intellektuelle, Columbina, die Charmante wie Harlequino, der Gewandte, wenn er sich auf der Bildungsbühne bewegte.
 

Weitere Gedanken zu Jean hören wir jetzt von
 

Elsbeth Schild
 

Ariane Bernasconi, Ralph Thomas
 

Annalisa Cathomas
 

Gianni Ghisla
 

Jakob Blesi
 

Anne Racine,
 

Peter Bichsel
 

und Christine le Pape Racine.
 

Die Musikgruppen Sine Nomine, Fazzoletti und Buechiberger Örgelimusig, alles Gruppen in denen Jean über Jahre mitwirkte, singen und spielen gemeinsam mit
 

wenn die Chräie chönnte mäje,
 

Scherele,
 

Die Welt ist voll Reden,
 

dem Dada Gedicht,
 

Campari Soda,
 

einer Mazurka und
 

Ids Elsas abe wott e Floh
 

Eine Auswahl von Werken aus Theatervorstellungen und Konzerten, die sie mit Jean über all die Jahre aufgeführt haben.
 

Der Chor les Marmottes singt die Chansons
 

Revoici venir du Printemps und Au doux regard zwei Chansons aus dem 16. Jahrhundert sowie mit
 

l’eau vive von Claude Aurieu und Claude Roy,
 

Soir d’Octobre von André Ducret und Emile Gardaz zwei Chansons aus dem 20. Jahrhundert. zurück

Dr. Elsbeth Schild

Für Jean Racine, zum Abschied
9. Januar 2004
 

Es war am 21. Dezember, am dunkelsten Tag des Jahres, als Jean mich rufen liess.
 

Das Bild, wie er im feuerroten Morgenmantel am Fenster sass, die wenigen kleinen Gesten, die Worte, die er flüsterte, sind meine letzten Erinnerungen an ihn geworden. Sie stehen merkwürdig still, eine beharrliche Aufforderung, mehr aus ihnen zu lesen, als der Augenblick hergeben konnte. Und weil dieses Mehr etwas Tröstliches hat, will ich es versuchen.
 

Jean sass im Lehnstuhl. Vor dem Fenster lag seine geliebte Aussicht: die Talmulde in der Abenddämmerung, die Gartenvierecke, die verstreuten Häuser, die Gegensteigung mit ihrer schwarzen Waldkrone. Jean blickte nach Südwesten hinüber zur Kirche oder vielleicht über sie hinweg in das abendgraue Himmelstück. Zu seinen Füssen, draussen am Rand der Gartenterrasse, die beiden Figurengruppen von Schang Hutter auf ihren eckigen Sockeln. Ich habe Jean nie erklären hören, was ihm an diesen Figuren so gefiel. Aber in jenem Augenblick wurde mir klar, dass sie ihm unentbehrlich waren in der friedlich abgeschlossenen Welt des Bucheggberger Dorfes; dass er diesen sperrigen Schmerz, der über sich selber lächelt, diese grazilste Form von Trotz mit dabeihaben wollte. Neben sich hatte er einen kleinen Tisch, darauf ein Tellerchen mit ein paar Mandarinenschnitzen, eine winzige Wegzehrung. Einmal im Verlauf unseres Gesprächs nahm er sich einen Schnitz, vielleicht Christine zuliebe, die daneben sass.
 

Seine sprichwörtliche Armut kam mir in den Sinn, eine Zeit, die ich nur vom Hörensagen kenne. Er soll im ersten Studienjahr mit ein paar Franken im Monat in einer Mansarde in der Lorraine in Bern gelebt haben, mit fast nichts ausgerüstet als einem Bett, einer Harasse und zwei Blechpfännchen. Was immer ihn von dort hierher geführt haben mag, an diese Station, die nachträglich wie ein Ziel aussehen muss, zu gesellschaftlichem Erfolg, zu Anerkennung und Wohlstand, umgeben von Menschen, die ihn lieben, was immer es war, es hat ihn nicht so sehr verändert, dass der beschwingte, neugierige, immer zum Staunen und Lachen bereite Mensch von damals im Lauf der Jahrzehnte abhanden gekommen wäre.
 

Es ist deshalb auch gar nicht so schmerzlich, zu erinnern, wie er jeweils pfeifend und trällernd die Wendeltreppe zu unserer ersten Wohnung hochkletterte, an unser trübes Küchenfenster klopfte und mit einem schwungvollen Schritt und einer Neuigkeit im Zimmer landete.
 

Bei solchen Besuchen rauchten wir zu dritt um die Wette, tranken literweise Kaffee und lachten ausgiebig über die komische Welt, in der es so viele schräge Gestalten gab, uns natürlich ausgenommen. Politik kam damals, 1966, bloss am Rande vor. Als Zwischenverpflegung gab es dafür immer wieder Gedichte, Aphorismen, Sätze aus Romanen und Theaterstücken. Als ich zum ersten Mal hörte, wie Jean seine Begeisterung äusserte über eine Zeile von Rilke oder Morgenstern oder Goethe, – er sagte überwältigt: „Dasch verreckt!“ – , da erschrak ich ein bisschen. Darüber, dass man auf Poesie mit einem solchen Kraftausdruck losgehen konnte. Und ein Stück Bildungsfassade ist mir damals schon abgebröckelt.
 

Fünf Jahre später, als wir beschlossen, Bern zu verlassen und den Kanton Solothurn zu erobern, hatte Jean schon gründlich rekognosziert. Er kannte die Kreuz- und Quer- und die Schleichwege und chauffierte uns gestikulierend in seinem hellgrünen VW-Käfer über die Hügelkuppen in den Bucheggberg. Und natürlich fanden sich hier alsbald zwei freie Bauernhäuschen, weil alle nur darauf warteten, dass wir ankämen.
 

Und während wir noch etwas naserümpfend von der Schrebergarten-welt Abstand hielten, war Jean schon mitten in der Aktion. Es war ihm nicht zu wenig, für drei alte müde Genossen die ganze Geschichte der Arbeiterbewegung neu aufzurollen oder ein paar verschlafene Freisinnige mit Kampfparolen zu verschrecken. Und es war ihm nicht zu viel, die Hagelwetter auszuhalten, die dann auf den Störenfried prasselten.
 

Am besten verstanden wir uns im Bereich der Schul- und Bildungs-politik. In Erinnerung an gewisse Jahre seiner eigenen Schulzeit sagte er einmal: „Man sitzt doch einfach verzweifelt da und denkt, wen-eim numen-öpper uf die eigeni Schlöii hulf!“ Wenn einem nur jemand hülfe, die eigene Intelligenz, die eigenen Begabungen zu entwickeln.
 

Genau in diese Richtung hat Jean als Lehrer und Bildungsfachmann zeitlebens gewirkt. Er engagierte sich ideenreich und beharrlich von innen und aussen, auf allen Ebenen und mit allen Sinnen für eine Schule, die den Kindern uf ihri eigeni Schlöii hilft. Und zwar allen Kindern. Und zwar denen ein bisschen mehr, denen sonst niemand hilft.
 

Nun sass Jean da an diesem dunklen Tag im Dezember, wie ein Fürst in seinem feuerroten weiten Mantel, und konnte nur noch flüstern. Aber er hatte die Fähigkeit zu staunen, ein klein wenig zu lachen nicht verloren, die Fähigkeit, zugleich den Clown zu spielen und den Feldherrn, der die Dinge in die Hand nimmt und zum Gelingen führt. Anstatt zu klagen, sagte er: „Ich habe jetzt sechzig Jahre ohne Schmerzen gelebt.“ Und etwas später: „Meine Kräfte schwinden, wir müssen die Abschiedsfeier organisieren. Zwei Leute habe ich schon gefragt, Jakob Blesi und Peter Bichsel. Der Bichsel hat gesagt: Ich mache es schon, aber ich werde fluchen. Weil alle sterben.“ Jean blickte dabei in den dunkler gewordenen Abend hinaus, er lachte ein bisschen und zeigte unter dem weissen Schnauz seine Zähne mit den lustigen Zwischenräumen.
 

„Und der Ösku macht de scho Musig,“, sagte er noch, „es mues de chli sinnlech si.“
 

Als ich ging, war es Nacht geworden.
 

Auf dem Tellerchen lagen noch drei Mandarinenschnitze.

Ariane Bernasconi, Ralph Thomas

Chers amis, chers amis et chère famille de Jean, Mesdames, Messieurs
 
“Dire” Jean en quelques mots, c’est une aventure orgueilleuse. “Permettez-nous de nous y lancer…”, pour paraphraser Jean : nous n’avons pas besoin de dire Jean tout entier… nous allons “errer” un peu à travers son parcours de vie… ça sera un essai, une approximation de ce qu’il était et de ce qui continuera à vivre en nous, l’expression imparfaite et infiniment plus petite de ce qu’il était vraiment, car Jean était un grand Homme… parce que unique… comme chacun d’entre nous. Nous allons nous promener dans une mare de fleurs, en cueillir quelques-unes et vous offrir un bouquet multicolore de Jean, tel que nous l’avons connu et tel que les amis que nous avons rencontrés ces derniers jours nous l’ont dépeint.
 

Ariane:
 
Jean le spontané
 
Jean réagissait au quart de tour. Sa spontanéité naturelle l’amenait parfois à s’étonner de lui-même !
 
Cette spontanéité, il l’appliquait aussi dans son travail. En parlant du système « tandem » il avait dit :
 
« se jeter à l’eau, sans gêne, sans complexe, oser parler à l’autre sa langue »… une des variantes de sa formule magique a été : « il vaut mieux s’exprimer en faisant des fautes dans une autre langue, plutôt que de faire la faute de ne pas s’exprimer. »
 
Son approche spontanée était la même avec chacun, chacune. J’ai souvent apprécié sa manière respectueuse de se comporter envers les femmes. Son admiration pour sa tante de Lamboing, horlogère complète qui déjà à cette époque était une femme de tête indépendante. Elle lui a certainement laissé des traces indélébiles.

Ralph:
 
Jean, l’homme qui donne un visage au Forum du bilinguisme
 
“Nous sommes une fondation récente dont le but est de sensibiliser la population de Bienne et de sa région, ainsi qu’un large public, aux questions liées au bilinguisme, et d’encourager la compréhension réciproque entre les groupes linguistiques.”…. dit-il dès 1997, le début des activités dudit forum, qui doit englober deux secteurs essentiels : observation et rencontres.
 
“Observer la communication au sein d’une région bilingue ; rassembler une documentation sur le sujet du bilinguisme…”
 
“Organiser des rencontres de toute nature et développer des initiatives afin de rendre plus captivantes et plus intenses les relations entre les groupes linguistiques.”
 
Ces deux domaines collaient à la peau de Jean… aller à la rencontre des gens…, écouter leurs histoires et raconter les siennes, observer, comprendre ce qui les préoccupe… puis, faire cogiter et interagir les gens, les faire participer, leur donner envie d’entreprendre… “C’est vous, les acteurs principaux de cette pièce… sans vous, rien ne se passe…”.

Ariane:
 
Jean le prince, l’audacieux…
 
Un de ses amis me disait cette semaine, que cette tranche de vie biennoise lui avait donné du temps pour les autres, lui avait donné des forces pour réfléchir dans le calme et avancer dans ses recherches.
 
Jean n’était pas un homme de doute, il avait une grande confiance en lui. Il a tenu son rôle de Monsieur bilingue avec sérieux et détermination. Ce sympathique moustachu aux yeux pétillants et aux cheveux blancs, possédait cet amour du métier. Son engagement de fonceur lui donnait des ailes et peut-être pouvions nous parfois interpréter ces grandes envolées comme une petite folie des grandeurs : Il voyait grand et il y croyait et n’hésitait pas d’aller à la rencontre des grands et des grandes choses. Heureusement que cela était dans sa nature ; il a tant fait bouger à Bienne dans le domaine du bi- et plurilinguisme qui lui était cher.

Ralph:
 
… sans négliger pour autant, avec la même audace, les tout aussi grandes rencontres de tous les jours : c’est ainsi qu’il dit un jour à Fatima, la dame marocaine qui s’occupait des nettoyages au Forum “quand est-ce que vous allez venir à Mühledorf pour que nous préparions ensemble un tajine ?” ET, cela s’est réalisé, dans une atmosphère chaleureuse, un souvenir qui s’est ancré dans la mémoire de la secrétaire, Danièle, qui était aussi de la partie.
 
Jean, l’homme aux milles activités…
 
Dès les premiers instants, d’importantes listes d’activités ont été déployées, telles que : la présentation de l’enquête du “Baromètre des bilinguismes” à la Foire de Bienne, les affiches au Faubourg du Lac sur le bilinguisme créées par l’Ecole d’arts visuels de Bienne, de nombreuses conférences dans des associations, les communes environnantes, les services clubs, les milieux politiques, pédagogiques, scientifiques, économiques, des rencontres/débats tels que “Les mardis du bilinguisme” qui sont devenus une réelle institution entre temps, des projets tels que le festival des bilinguismes, les tandems, l’espace des langues au Centre hospitalier de Bienne, le calendrier sur le bilinguisme encore en collaboration avec l’Ecole des Arts visuels et avec l’éditeur Gassmann, le projet “Ponts-Brücken” à l’école de Boujean, le lancement du label et du Prix du bilinguisme, des projets de formation et des projets de recherche, la publication des “Cahiers du bilinguisme” et des textes dans les Annales biennoises, la revue Intervalles et bien d’autres encore, des dizaines et des dizaines d’interviews et d’articles dans les médias, etc. etc.
 
La liste est gigantesque, les accompagnements de projets et interventions se multipliaient d’année en année et l’on pouvait se poser la question, comment, avec un poste à 50% et un secrétariat à temps partiel aussi, il était possible de maîtriser tout cela… ?

Ariane:
 
Jean le rassembleur: « Je sème à tous vents »
 
Jean fourmillait d’idées. Homme politique, il établissait des liens, des ponts. Suite à une intervention parlementaire demandant plus d’ explications sur ses projets, le responsable du Forum du bilinguisme avait répondu sans aucune hésitation. « Des projets, mais nous en avons à la pelle ». En effet, souvent, il arrivait aux séances, « déballait » une multitudes d’idées, attendait notre réaction. Quand il voyait que nous mordions à l’hameçon et sous le charme de son enthousiasme constructif, une équipe de motivés se mettait immédiatement à l’ouvrage. Quel meneur d’hommes! Jean n’était pas un grand sportif, mais dans son rôle de Monsieur bilingue, il avait une âme d’entraîneur qui envoyait les personnes au front, et ces personnes restaient motivées et chauffées à bloc !

Ralph:
 
Jean et son credo… une symphonie en 3 mouvements…
 
1. “Intégrer l’inconnu, le considérer avec une attitude positive, curieuse, considérer ce qui est différent, ne pas se faufiler derrière les clichés, se balader sur la frontière, transgresser celle-ci et accueillir l’autre, expérimenter la différence”… c’était son credo… “sans devenir comme l’autre… sans nier ses racines”.
 
2. “Apprendre et enseigner en favorisant la motivation, non pas l’idéologie du «zéro fautes» qui diabolise l’erreur qu’il faut punir comme un péché…, au contraire, c’est par l’essai que l’on progresse aussi dans la langue, et les transgressions de la norme ne sont toujours qu’une tentative d’approche de celle-ci, parfois avec des détours, des approximations et des envolées créatives… Entrer dans une nouvelle langue, c’est toujours aussi errer un peu, c’est chercher et c’est trouver à s’exprimer, mais, dans tous les cas, «il sera toujours plus utile de s’exprimer avec des transgressions de normes que de se taire sans fautes»…”
C’était une des recettes que Jean aimait bien dire et répéter… elle a même été ancrée dans la charte des langues de l’Association bilinguisme+.
 
3. “L’apprentissage et l’enseignement fonctionnels priment sur la perfection…, ce n’est donc pas TOUTE la langue qu’il faut apprendre ; apprenons d’abord ce qui est utile, car, une langue, toutes les langues, chacune, aussi répandue ou aussi minoritaire soit-elle, la langue sera toujours plus grande que nous… il ne s’agit donc pas de vouloir dominer une langue ou de la maîtriser, mais nous pouvons chercher à bien l’habiter, à mieux l’habiter… Et d’en prendre soin… en l’utilisant ; car une langue dont on se sert ne disparaît pas.””Abandonnons les termes de perfectionnisme et de maîtrise, remplaçons-les par ceux de tolérance, d’encouragement et d’ouverture. Et n’ayons pas peur de nous ouvrir à d’autres horizons, d’entrer et de gagner d’autres espaces et de nous promener librement.” Voilà. Jean appliquait ce credo pas seulement pour les langues…

Ariane:
 
Jean l’homme de cœur, l’humaniste, le philosophe
 
Jean aimait les gens, les contacts avec les humains. Sa grande générosité lui venait sans doute de ses origines terriennes. Son aptitude de touche-à-tout, il était aussi bien bricoleur que cuisinier sans oublier le brocanteur qui fourmillait en lui, lui donnait cette force d’être un être vrai, de comprendre l’autre avec respect. Cette générosité d’esprit lui a permis d’accomplir son travail avec tant de compétences.
 
Dans un article de journal je relève : « De nombreuses études ont démontré scientifiquement que les contacts humains facilitaient l’apprentissage linguistique. » Voilà bien sa recette qu’il vivait au propre et au figuré !
 
Proche des gens, il s’est beaucoup intéressé à la dialectologie et l’a étudiée d’une manière approfondie. Sa capacité sociale le faisait être très solidaire des hommes. Il a toujours su se mettre à la hauteur de la science, sous une forme de médiateur entre les langues. Il a tissé des liens entre la théorie et la pratique.

Ralph:
 
… et encore à propos de l’homme de cœur… :
 
On a évoqué tout à l’heure le fait de «prendre soin» dans le contexte de la langue. Cela me fait penser à un autre mot utilisé par Jean : «Sorge tragen», ou «süüferli dermit umgoh», comme on prend soin de la personne qui nous est la plus chère….
 
… et, … «Süüferli…» c’est l’expression que Jean utilisait aussi, avec des yeux étincelants, pétillants, pleins de gentillesse, en parlant de sa princesse, Christine, sa compagne.
 
Et lorsqu’il parlait de Danièle, sa secrétaire, avec laquelle il formait un duo de travail d’une grande complémentarité, il disait qu’elle était une “perle”… toujours avec ce même geste, de grande valeur et d’estime, dont il faut prendre soin… «Süüferli…»

Ariane:
 
Jean le charmeur :
 
Quel charisme ! Non seulement musicien, mais comédien également aussi bien sur les planches que dans la vie, il savait captiver son auditoire. Sa manière de s’adresser au public, de le mettre en confiance par son approche de comédien plaisante, il mettait chacun de bonne humeur. Et souvent c’est dans cette ambiance que débutait rapidement ses fameux « mardis du bilinguisme ». Charmé, le public était de son côté, réceptif à l’écouter avec intérêt et profitait de son grand savoir et du sérieux du travail tout en tenant son public en haleine.
 
… mais aussi… Jean le charmeur coquin… :
 
… celui qui sait emballer les autres… jusqu’à ce qu’ils prennent le gouvernail du bateau qu’il a mis en mouvement… Nous serions-nous engagés dans cette vaste aventure pour défendre le bilinguisme sans le charme communiquant du pédagogue ? Moi, de prendre la responsabilité de présidente de l’Association bilinguisme+ et toi, de t’engager pour un label du bilinguisme ? Non, très probablement pas. En privilégiant le contact direct, son charme débordant nous interpellait et nous nous sommes laissés contaminer par sa verve…
 
« On n’apprend bien que de ceux qu’on aime… »

Ralph:
 
Jean, l’homme qui aime, qu’on aime… et qui aime être aimé…
 
… Mais le monde n’est pas ainsi… L’harmonie parfaite n’existe pas. Jean n’aimait pas qu’on lui rentre dans le cadre. Les conflits et les désaccords le désarçonnaient. Pourtant, il y a aussi des gens qui disaient “… mais ce Jean Racine, qu’est-ce qu’il s’agite ; il n’a pas inventé le bilinguisme ; ça existait bien avant lui…” Là, il pouvait réagir sensiblement : “Elle m’aime pas, celle-là…”, ou “Qu’est-ce que je lui ai fait, à celui-là ? J’en faisais partie, des gens qui pouvaient manifester vivement un désaccord et ça le rendait malheureux… pourtant j’aimais beaucoup Jean.

Ariane:
 
Jean l’épicurien :
 
Mais en fait, Jean était toujours de bonne humeur. Sa présence nous faisait chaud au cœur !
 
Durant sa jeunesse, les vacances passées dans sa parenté romande à Lamboing où un oncle possédait des vignes au bord du lac de Bienne, lui ont sans doute donné l’envie de croquer la vie à pleines dents. Oui, Jean était un passionné, il aimait la vie. Il appréciait de partager son esprit de convivialité et nous associait à des moments de détente sereine et de profonde amitié. Il savait aussi allier liberté et travail. Afin de motiver les membres de l’association b+, il eut l’idée excellente de mettre sur pied un voyage « à la frontière des langues ». Aussitôt dit, aussitôt organisé ! Possédant un énorme réseau de connaissances au niveau suisse et ses vastes expériences nous ont permis de faire un voyage des plus enrichissants.
 
Dans le cadre de l’année européenne des langues 01, Jean fut très actif. Il créa des liens avec plusieurs institutions, se tournant vers les musées biennois afin qu’ils participent à cette expérience. Son enthousiasme débordant lui faisait mettre sur pied des projets extraordinaires au-delà même de ses attributions. Le projet ne fut pas accepté, mais par grandeur d’esprit d’un projet avorté en est ressorti quelque chose de positif. En effet le groupe d’organisation continue d’exister sous une forme plus particulière et se nomme le groupe des Culinaristes… Ce groupe a appris au contact de Jean ce qu’est être un épicurien !
 
Jean le Romand
 
Pour beaucoup de Romands, Jean était un réel Romand. Sans doute, ses origines Huguenotes ont laissé des traces dans la famille Racine. Son père d’ailleurs exigeait de parler français, car la langue de Molière lui était chère. Pour moi Jean possédait tous les côtés positifs que l’on attribue, d’une manière parfois stéréotypée, au Romand. Tenant à connaître l’image qu’il donnait dans son entourage, j’ai questionné quelques-uns de ses amis. La vice- présidente de notre association b+, qui est Française d’origine, n’hésita pas une seconde à ma question en répondant : Jean, mais c’est un Romand ! En effet, sa facilité d’expression pouvait faire bien des envieux dans le cercle des Romands biennois !
 
Mais pourquoi se poser cette question ? Dans la revue Intervalles, dont Jean était membre du comité, il écrivait sous la rubrique « les Welsches » :
 
« Et pourtant, nous les Romands, on parle comme eux quand on tape sur la table pour se réjouir qu’il y ait le bour, le nell, les stoecks et du bock dans le blind… »
 
Sa coquetterie d’être Romand l’avait même poussé à accepter d’être guide et sillonner la ville en bus sous le thème de « ma ville de Bienne ».

Ralph:
 
Jean et Ralph croisent leurs chemins… et cheminent ensemble pour un instant… à Bienne.
 
Cela est étrange pour moi de me trouver dans ma ville natale, aujourd’hui, à m’exprimer en français pour rendre hommage à un ami qui m’est devenu cher et qui a ses attaches ici à Soleure et dont les amis ici présents, Peter Bichsel, Schang Hutter, peut-être d’autres, côtoyaient mes parents il y a quelques dizaines d’années. C’est ici que j’ai poussé mes premiers cris, fait mes premiers pas, prononcé et écrit mes premiers mots, commencé l’école, habité juste à côté, couru le “schnäuscht Solädurner-gieu” sur le terrain où vous avez probablement parqué votre voiture. Nous avons en tous cas trois points communs qui se conjuguent entre Jean et moi : d’abord, les gens s’interrogent régulièrement sur notre identité romande ou alémanique et ne sont pas d’accord entre eux quant à savoir où nous situer, “est-ce qu’il est des nôtres ou pas ?” ; puis, nous nous promenons volontiers et aisément dans l’une et dans l’autre langue, ce que nous avons par ailleurs souvent pratiqué entre nous, sans le décider à aucun moment ; et enfin, nous savons tous les deux que nous ne sommes pas des parfaits bilingues… parce que cela n’existe pas !
 
Merci à la vie et merci à Jean, de t’avoir connu.

Ariane:
 
Jean, les Biennois sont orphelins. Tu nous as laissé une valise remplie de richesses. Tu as ouvert la porte, nous allons tout faire pour continuer ton œuvre. MERCI, Jean.

Annalisa Cathomas

Nus essan cheu
ed ei sedat
che nus stuein
schar dar tut
giun plaun
ed ir
ordamiez nies di
ordamiez
nossa notg

EWir sind hier
und müssen
alles fallen
lassen
und gehen
aus der Mitte
unseres Tages
aus der Mitte
unserer Nacht


Preziai presents
 

Quels patratgs ha la poeta romontscha Tresa Rüthers-Seeli da cuort exprimiu en ina poesia sut il tetel Viadi. Ils plaids muentan e fan sgular ils patratgs. Era Jean ha stuiu metter tut dalla vart ed ir sin viadi senza che nus vessien propi giu peda da dar adia ad el. El ei vegnius tratgs ord sia veta, anetgamein, sche gie ch’el era aunc spir plans e visiuns pil futur.
 

Avon biebein dus onns hai jeu a caschun da mia lavur da licenziat giu il cletg d’emprender d’enconuscher Jean e sia dunna Christine. Lur buns cussegls e lur experienza vasta sil camp dalla bilinguitad han naven dall’entschatta dau a mi grond sustegn ed adina puspei enrihiu nossas discussiuns. Surprida e fascinada sun jeu cunzun era stada da lur spért aviert e da lur grond engaschi en connex cun miu lungatg mumma, cun il romontsch. Jean ha denton buc mo tschintschau da tut quei ch’ins stuess prender enta maun, el ei sezs staus activs e s’engaschaus fermamein per il manteniment dalla plurilinguitad, ell’entira Svizra denton ils davos onns adina pli fetg era tier nus en tiara romontscha. Enten realisar projects d’immersiun da grond renum eis el staus in dils emprems che ha fatg persenn che la promoziun d’in lungatg stoppi vegnir sustenida dalla scola per ch’ina bilinguitad naturala hagi la pusseivladad da sesviluppar. Siu grond engaschi ei sepagaus e vegn era el futur a purtar ses fretgs. Ton a Sogn Murezi, a Samedan sco era a Puntraschigna ha el dau al romontsch en scola niev anim ed aschia perschuadiu Romontschs e Tudestgs dils gronds avantatgs dalla bilinguitad e dalla necessitad da scolas bilinguas.
 

La mort da Jean ei nunspitgada e nus vein stuiu prender cumiau dad el bia memia baul. Ses fastitgs ein denton profunds e muossan la via. Jeu sperel che nus vegnien ad esser habels da sviluppar vinavon sias ideas e che nus anflien – ensemen cun sia dunna Christine – ina moda e maniera dad acceptar e da serrar la gronda largia ch’el lai anavos, buc mo sco carstgaun ed amitg, mobein era sco amatur dils lungatgs e sco grond promotur dil romontsch….
 

Annalisa Cathomas

Gianni Ghisla

Cerimonia di commemorazione per Jean Racine
Soletta, 9 gennaio 2004
 

Cara Christine, cari familiari, cari convenuti,
permettetemi che mi rivolga direttamente a Jean, che sentiamo così presente fra noi.
 

Caro Jean,
 

chi ha avuto la fortuna di conoscerti nella Svizzera italiana è triste come tutti noi. Allo stato d’animo malinconico fa però da contraltare il ricordo che ognuno serba di te. E’ il ricordo di qualcuno a cui non si poteva non voler bene e che si sarebbe voluto conoscere meglio. Il tuo fare, un po’ istrionico e un po’ enigmatico, lasciava sempre qualcosa da scoprire e teneva alto l’interesse per la tua persona e per ciò che tu rappresentavi: le lingue e le culture come momenti alti della vicenda umana, le lingue e le culture vissute con piacere e con il sorriso sulle labbra, le lingue e le culture come luoghi di scoperta e di comprensione reciproca fra i diversi.
 

Di tutto questo tu ti sei fatto ambasciatore, muovendoti instancabile da un capo all’altro del nostro paese, mostrando particolare sensibilità e rispetto per le minoranze, convinto come eri che uno dei nostri patrimoni più preziosi risiede nelle lingue.
 

La tua presenza ha lasciato tracce ovunque: fra la gente, nella scuola, fra i politici, nelle amministrazioni, ma anche nelle associazioni della società civile. E fra queste vorrei ricordare la Fondazione Lingue e Culture a cui tu hai dato il tuo contributo sin dalle sue origini e di cui eri membro del Consiglio.
 

Per tutto questo ti siamo riconoscenti come cittadini e come rappresentanti di una minoranza.
 

Ma ognuno di noi serba di te anche un ricordo personale. Anch’io non faccio eccezione. Fra le immagini che in questi giorni si sono rincorse nei miei pensieri una si è fissata su una pagina che Italo Calvino ci ha lasciato nella sua eredità intellettuale. Calvino, istrionico ed enigmatico al par tuo, nelle sue Lezioni americane, pubblicate postume, traccia sei proposte per il nuovo millennio. Sono sei metafore. Una di queste è la leggerezza.
 

Ecco, caro Jean, tu sei per me l’espressione della leggerezza. Non certo la leggerezza nel senso di superficialità, ma la leggerezza in contrapposizione alla “pesantezza, all’inerzia, all’opacità” del mondo.
 

“In certi momenti, ci dice Italo Calvino facendo riferimento al mito, mi sembrava che il mondo stesse diventando tutto di pietra: una lenta pietrificazione più o meno avanzata a seconda delle persone e dei luoghi, ma che non risparmiava nessun aspetto della vita. Era come se nessuno potesse sfuggire allo sguardo inesorabile della Medusa.”
 

Quante volte ho personalmente pensato negli ultimi anni che lo sguardo terribile del mostro avesse sfiorato il nostro piccolo-grande mondo linguistico, così fermo, così difficile da cambiare.
 

Gli incontri con te avevano il potere di far svanire questa immagine pietrificata. Senza nulla togliere al grande eroe del mito, ora mi sembri molto vicino a Perseo che “vola con i sandali alati” e guardando la Medusa riflessa nello scudo di bronzo le taglia la testa.
 

Questa era la tua leggerezza: tu non ti sei mai lasciato pietrificare, guardavi alla realtà con il necessario distacco, e passando leggero sopra le cose, non le perdevi di vista.
 

Leggero era il tuo modo di essere, sempre gentile, accattivante.
 

Leggero era il tuo modo di pensare, più vicino alla poesia che alla razionalità pura.
 

Leggero era il tuo modo di agire, a dispetto della determinazione che ti contraddistingueva.
 

“Il faut être léger comme l’oiseau, et non comme la plume” ci rammenta Paul Valéry.
 

Certo la piuma si libra nell’aria, sfidando le forze di gravità, ma è alla mercé del vento, impotente ne subisce la forza.
 

Tu non eri per nulla la piuma, tu eri l’uccello che sa tener testa ai poteri di Eolo.
 

Caro Jean, lascia che la luna, simbolo di leggerezza, rischiari tramite la poesia di Giacomo Leopardi, la tua strada che nelle nostre menti continuerà a scorrere:
 

Dolce e chiara è la notte e senza vento,
 

e queta sovra i tetti e in mezzo agli orti
 

posa la luna, e di lontan rivela
 

serena ogni montagna.
 

O graziosa luna, io mi rammento
 

Che, or volge l’anno, sovra questo colle
 

Io venia pien d’angoscia a rimirarti:
 

e tu pendevi allor su quella selva
 

siccome or fai, che tutta la rischiari.
 

O cara luna, al cui tranquillo raggio
 

Danzan le lepri nelle selve…
 

Già tutta l’aria l’imbruna,
 

torna azzurro il sereno, e tornan l’ombre
 

giù da’ colli e da’ tetti,
 

al biancheggiar della recente luna.
 

Che fai tu, luna, in ciel? Dimmi, che fai,
 

silenziosa luna?
 

Sorgi la sera, e vai,
 

contemplando i deserti; indi ti posi.
 

Caro Jean, non ti chiediamo che fai come il poeta interroga la luna. A noi basta il ricordo della tua leggerezza che ci sarà di grande aiuto per affrontare nella vita i momenti d’ineluttabile pesantezza.
 

Grazie.
 

Gianni Ghisla
Gennaio 2004

Jakob Blesi

Liebe Trauerfamilien
Liebe Gedenkfeierbesucher
 

Jean Racine war nicht nur ein hervorragender Bildungsfachmann, Regisseur und Musiker, er war auch ein engagierter Politiker, ein Linker, ein Sozialdemokrat. Sein Wirkungskreis ging weit über den Bezirk hinaus. Ich beschränke mich mit meinen Ausführungen auf den Bucheggberg.
 

Am 23. Dezember (03) habe ich von Jean und Christine eine Dankeskarte mit folgendem Inhalt erhalten:
 

„Lieber Jakob/Jacques, du musst dann einige Worte sagen zu uns und SP bei uns“

 

Ich habe zuerst über diese Botschaft gerätselt, doch 30 Stunden später habe ich sie verstanden. Jean, ich komme jetzt deinem Wunsch nach.
 

Warum er mir diese Aufgabe übertragen hat, versuche ich später zu erklären.
 

Jean kam mit seiner Frau Marietta in den frühen siebziger Jahren in den Bucheggberg, fast gleichzeitig mit seinen Gesinnungsgenossen Sämi und Elsbeth Schild, Schang Hutter, Paul Schmid, um nur einige zu nennen. Sie engagierten sich alle in der SP, die damals einen Motivationsschub bitter nötig hatte. Damit soll aber die geleistete Arbeit der alten Genossen keineswegs herabgewürdigt werden.
 

Der politische Gegner empfing die neuen Zuzüger und Genossen mit ihren unmöglichen Forderungen dementsprechend mit Misstrauen.
 

Man nannte sie Salonsozialisten und „verwechselte“ bisweilen die Sozialdemokratie mit dem Kommunismus.
 

Bei diesen Sozialisten war Jean die treibende, federführende Kraft.
 

Seine Vorstellungen und Erwartungen sind am besten aus den folgenden Sätzen herauszulesen, die er in einer Ansprache im Mai 1973 geäussert hat:
 

„Wenn unsere unmittelbare Umgebung verändert werden soll, dass möglichst vielen wohl ist, so müssen wir etwas tun. Alle müssen mithelfen und ihre Anliegen formulieren, weil wir eine Minderheit darstellen, weil wir stärker werden müssen.“

 

Jean wurde 1974, als Nachfolger von Schang Hutter, Präsident der SP-Bezirkspartei Bucheggberg und übte dieses Amt acht Jahre lang aus. In diesen acht Jahren hat Jean zahllose Vorstandssitzungen präsidiert, Wahlkämpfe geleitet, Wahlversammlungen moderiert und zuletzt durch seine Oergelimusik bereichert. Er brachte es immer wieder fertig, schweizerische SP-Persönlichkeiten zu unseren Veranstaltungen einzuladen. Willi Ritschard, Artur Schmid und Helmut Hubacher waren willkommene Gastreferenten.
 

Es ist nicht immer gerade gegangnen in seiner Amtszeit. Jean verlangte von den anderen Genossen und Genossinnen – zu Recht – eine Mitbeteiligung an der laufenden Parteiarbeit. Er war nicht zufrieden, wenn die Leute nur auf die vierjährlichen Wahltermine hin erwachten. Da gab es eben auch Differenzen und Fehleinschätzungen, die sich meistens bei beidseitigem guten Willen bereinigen liessen.
 

Zu den Wahlergebnissen hat sich Jean im Oktober 78 folgendermassen geäussert:
 

„Im Bucheggberg bestehen zwei Parteien. Die SP bis zu 30%, die FdP mit 70%. Die SP hat in den Gemeinden Kontrollfunktion der unumstösslichen FdP-Mehrheit. Eine solche Aufgabe ist undankbar und setzt starken Durchhaltewillen und grosse Bereitschaft zur Initiative (und auch Kompromiss) voraus.“

 

Nach seiner Präsidialzeit wurde es etwas stiller um Jean, er stand aber jederzeit mit Rat und Tat, unterstätzt von Ernst Wüthrich und Robert Rohrbach, zur Verfügung. Nach seiner nicht erfolgreichen Kantonsratskandidatur stellte er resigniert , aber mit Humor fest:
 

„Wenn wir nur so wenige Listen mehr machen, wie bei den letzten zwei Wahlgängen, so wird es 320 Jahre dauern, bis wir einen zweiten SP Sitz im Kantonsrat erobert haben.“

 

Seit den 90er Jahren nahm es Jean geruhsamer, er war aber immer bereit zu helfen und Wahlkämpfe zu leiten. Dass er sich auch stark finanziell beteiligte, sei nur am Rande vermerkt. Es brauchte viel Zeit, bis Jean auf der Politbühne des Bucheggberges akzeptiert wurde. Diese Akzeptanz brachte ihm dann auf kommunaler Ebene einige Ämter ein, die er fast bis zu seinem Tode gewissenhaft ausübte.
 

Ein letztes Anliegen, das er noch am 1. November teilweise verwirklicht sehen konnte, war die Archivierung aller verfügbaren Dokumente und Akten der Bucheggberger Bezirkspartei. Er hätte gerne mitgeholfen, die Geschichte der SP-Bucheggberg zu schreiben, einer Geschichte, zu der er Wesentliches beigetragen hat.
 

In einer Partei wie der SP gibt es verschiedene Strömungen. Die Arbeitnehmer und Gewerkschafter auf der einen, die „Gstudierten“ auf der anderen Seite. Ihre Anschauungen unter einen Hut zu bringen war und ist nicht immer leicht. Jean hat es meisterhaft verstanden, die Berührungsängste abzubauen.
 

Er war die Einfachheit selber, nichts von Ausbildungsüberheblichkeit, er war das gewöhnliche ausgleichende Mitglied. Mit Jean zusammen war es mir – als Gewerkschafter – vergönnt, den Ausgleich zu praktizieren. Durch unser Zusammengehen haben wir zwei ein besonderes Verhältnis geschaffen, eine wertvolle, andauernde Freundschaft. Daher auch Jeans Auftrag an mich.
 

Wer Jean noch einmal als Politiker hören möchte, dem empfehle ich die Hörfolge von Heinrich Hitz und Werner Feldmann: „Bucheggberg, eine ländliche Gegend“ unter dem Titel „Die Sozialdemokraten, unmögliche Forderungen“. Radio DRS 2, siebte Folge vom 24. April 1985.
 

Zum Schluss habe ich im Namen der Bezirkspartei, und auch in meinem Namen, Jean für seine immense Arbeit zu danken. In diesen Dank schliesse ich auch Christine ein, die Jean eine gute Berater- und Helferin war.
 

Wir werden Jean ein ehrendes Andenken bewahren, ein Andenken an einen lieben Freund und nachahmungswerten, vorbildlichen Genossen.
 

Jakob Blesi (alt Kantonsrat) , Oberramsern, den 9. Januar 2004.

Anne Racine

Abschiedsfeier für Schang am 9.1.2004 in der Reithalle Solothurn
 

Jean hat sich gewünscht, dass ich Ihnen heute eine Karte vorlese.
 

Ich schrieb sie im September, aus dem Bauch heraus, ich war nicht sicher, ob ich sie abschicken würde…
Er hat sich darüber gefreut.
 

Auf der Vorderseite ein Gedicht von Bertold Brecht:
 

Der Rauch
 

Das kleine Haus unter Bäumen am See.
Vom Dach steigt Rauch.
Fehlte er,
wie trostlos dann wären
Haus, Bäume und See.
 

Wir sind traurig. Wir hätten ihn gerne noch um uns gehabt, seine Stimme gehört, seinem Spiel gelauscht, seine starke Umarmung gespürt und vieles mehr.
Jean war ein charismatischer Mensch, an einem besonderen Tag ist er gestorben.
Im Gespräch, in Briefen und Karten werden seine Besonderheiten in Worte gefasst, etwa:
 

* Er war ein Kommunikator „hors pair“
Wir haben so viel von ihm gelernt.
Er war eine Institution.
Eine ganze Bibliothek ist weg.
Er hat so viel gegeben, wie andere in 100 Jahren nicht.
Er hat besondere Spuren hinterlassen.
Er war ein Vorbild: er liebte die Menschen, er liebte das Leben und
er genoss es.
Er war ein kreativer Koloss
 

Die Lücke ist gross, wir versuchen sie heute schon zu füllen, mit Erinnerungen, mit Musik, mit Bildern, mit Texten…
 

Auf die andere Seite der Karte habe ich geschrieben:
 

Für Schang
 

In meinem Herzen hast du einen Platz – er ist rund,
von Lindenbäumen umgeben.
In seiner Mitte steht ein Brunnen, ein runder mit Säule.
Im Schatten der grössten Linde steht eine Bank,
dort sitzen wir, plaudernd.
Den Platz wird es immer geben!
Ig ha di gärn!
 

Ich möchte noch sagen: es hat eine Menge Platz, kommt, setzt euch zu uns, plaudern wir! Er wird sich freuen.
 

Anne Racine, seine Tochter

Peter Bichsel

Peter Bichsel
 

Tel: 032 6225980
mobil: 079 686 63 86
email: peyrol@bluewin.ch
 

Solothurn Reithalle
für Racine
09.01.04
 

Du muesch denn auä no rede
 

Verliert eigentlich die Welt ihre Toten oder verlieren die Toten die Welt.
 

Wir, die wir hier versammelt sind, leben noch.
 

Aber ich habe mit Jean Racine eine Welt verloren, und ich weiss, dass mit mir noch viele andere eine Welt verloren haben.
 

Eine eigenartige Welt, die Welt des Jean Racine – d’Wäut vom André Jean, vom andere Jean.
 

Eine andere Welt. Und seine andere Welt ist ein Teil von unserer Welt geworden.
 

Immer, wenn Menschen sterben, die einem nahe waren, verliert man Welten, aber ich habe es noch nie so heftig und so schmerzlich verspürt wie mit Jean.
 

Erlebt, wie er sich nach und nach auflöste in das Andere – und mir schien, dass er dabei ganz und gar Jean Racine wurde, ganz und gar einging in die Welt des anderen Jeans.
 

Ja, ich liebte ihn – ihn, der gern liebte und dem es immer wieder schwer fiel, geliebt zu werden.
 

Er hatte eine grosse Neigung zur Freundschaft, er bot diese Freundschaft auch immer wieder grosszügig an – und wenn man sie annehmen wollte, entzog er sich.
 

Irgendwie fürchtete er sich vor dem Grossen, vor der Grösse der Liebe, vor der Grösse der Musik, vor der Grösse des Theaters und vor der Grösse der französischen Sprache.
 

Das kleine Französisch jener, die es nicht konnten, konnte ihn begeistern, das Theater jener, die keine Schauspieler waren, faszinierte ihn – mit jenen, denen der Sozialismus trotz allen Bemühens nicht so recht gelingen wollte, war er gern zusammen Sozialist.
 

Er hätte ein Meister werden können, Talent war für ihn eine Selbstverständlichkeit – sein
 

Talent, auf Menschen zuzugehen, sein Talent, Leute zu überreden: Zum Singen zu überreden, zur Politik zu überreden, zum Spielen, zum Unsinn zu überreden.
 

Er hätte ein grosser Meister werden können – er zog es vor, ein Kleinmeister zu sein.
 

Er war nicht der Meister, der uns begeisterte, er war der stille Kleinmeister, der uns rührte.
 

Er spielte seine Handorgel zwar meisterhaft, aber wenn man ihm zuhörte, hatte man den Eindruck, es sei nicht schwer, und vielleicht könnte man es auch.
 

Jean machte uns die Kunst leicht, er machte uns das Singen leicht, er machte uns das Spielen leicht, er machte uns das Französisch leicht. Und in jenen Stunden der kleinen stillen Feste machte er uns die Welt, das Leben leicht.
 

Mitunter begeisterte er uns – das war ihm oft peinlich. Denn so sehr er auch selbst begeistert sein konnte – ein Begeisterter war er nicht, kein Fanatiker.
 

Seine Handorgel, sein Langnauerli, war etwas Pragmatisches – keine richtige Orgel, sondern nur ein Hilfsmittel, mit dem man Menschen zusammenführen konnte. Keine grosse französische Sprache, sondern nur eine kleine, die nicht seine Sprache war, sondern die Sprache jener, die sie sprechen, wie mangelhaft auch immer – ein Hilfsmittel, mit dem man Menschen zusammenführen kann, ein Mittel, mit dem man Menschen verführen kann, vielleicht auch letztlich zur Sprache verführen kann, zu jener grossen Sprache, von dem das Grenchner-Lied erzählt, jenes Grenchnerlied, das er so liebte und uns lieben lernte:
 

“Und wenn der Himu papierig wär
und jede Stärn e Schriber wär
und jede hätti siebe Händ,
sie chönnte mini Liebi ned schriebe z’änd.“

 

Ein ernstes Lied, und das Ernste hat seine Neigung zur Traurigkeit – und wem die Neigung zur Traurigkeit fehlt, dem kann nichts ernst sein.
 

Jean hat uns immer wieder bei den lautesten Festen und übermütigsten Feiern mit seinem Örgelchen die Sentientalität zurückgebracht, und mit ihr den Ernst.
 

Es war wunderschön, mit ihm zusammen Sozialdemokrat sein zu dürfen. Der Weg ist das
Ziel – das hat er uns beigebracht:
Nämlich, dass es nicht nur darum geht, etwas zu erreichen, sondern auch darum, etwas zu sein und darin zu leben – die Sozialdemokratie wurde mit ihm sogar zu einem Teil der bucheggbergischen Kultur. Wem, ausser ihm, dem Kleinmeister, hätte so etwas gelingen können. Ich höre – wenn mir Sozialismus einfällt – seine Handorgel: Lustig in der Traurigkeit, traurig im Übermut, sanft im Ernst.
 

Wir beide pflegten früher, als es noch eine Tradition war, gemeinsam eine Tradition. Wir gingen zusammen am Pfingstmontag ins inzwischen alte YB-Stadion nach Bern zum Cupfinal. Ich freute mich jedes Mal darauf. Es wurde zu einer richtigen grossen Reise, zu einer langen Reise. Und wir wurden dabei zu zwei Buben, die das grosse Glück hatten, zum Cupfinal gehen zu dürfen. Irgenwie ging es dabei nicht um Fussball – es ging nur um die selbstverständliche Tradition der grossen Reise zweier Buben zu einem grossen Ereignis.
 

Und das grosse Ereignis waren wir. Das konnte er, kleine Dinge zu grossen Ereignissen machen. Und er machte sich ganz klein und bestaunte das grosse Ereignis.
 

Und Fussball, diese inzwischen kapitalistische Kampfsportart, wurde für uns der Frieden. Wir hatten darin unseren Frieden.
 

Seiner Frau Christine, die mit ihm zusammen die deutsch-französische Spracharbeit machte, sagte er einmal: “Weisst Du, das, was wir machen – das ist Friedensarbeit.“
 

Es war, als der Cupfinal nicht mehr am Pfingstmontag, und schon lange nicht mehr am Ostermontag stattfand und damit seine Tradition aufgegeben hatte, nie mehr die Rede davon, dass wir hingehen könnten.
 

Es wäre nicht mehr die grosse Reise von zwei Buben gewesen – die grosse Reise ins Abseits.
 

Robert Walser, der uns auch ab und zu, und ohne davon zu wissen, auf unserer Reise begleitete, beschrieb es so:
 

Ich mache meinen Gang;
Der führt ein Stückchen weit
Und heim; dann ohne Klang
Und Wort bin ich beiseit.

 

In den Worten von Jean Racine, der dieses Gedicht liebte, hiess dasselbe, als ich zum letzten Mal mit ihm zusammen war, pragmatisch, still und unpathetisch:
 

“Du muesch denn auä no rede.”

Christine Le Pape Racine

Chers amis,
 

Je tiens à vous remercier d’être venu si nombreux partager nos souvenirs. Je remercie chaleureusement tous ceux et toutes celles qui ont contribué à la réalisation de cette cérémonie.
Nous remercions également toutes les personnes qui nous ont envoyé des cartes et des lettres, des signes touchants de leur relation avec Jean. Il lui est resté assez de temps pour en lire beaucoup et de s’en réjouir. Nous essayerons d’y répondre.
 

Wir werden Jean in Erinnerung behalten. Da ihn viele von euch nie in seiner geliebten Musik gehört oder gesehen haben, werden wir heute in einem Jahr ein musikalisches “Jahrzit” feiern, wie man hierzulande sagt, am 9. Januar 2005. Wir werden unter anderem sein letztes Konzert anlässlich der Jauslin-Ausstellung im Schlössli Bleichenberg zeigen. Genaue Angaben finden Sie unter www.paperace.ch Internet-Adresskärtchen liegen auf.
 

Le 9 janvier 2005 nous présenterons des vidéos de Jean chantant et jouant sa musique tant aimée. Des renseignements seront uniquement communiqués sur notre site www.paperace.ch. Il y a dans la salle des adresses à disposition.
Si vous avez envie, venez nous voir de temps en temps. La maison Racine vous est grande ouverte.
 

Pour terminer,
Jean nous aurait peut-être envoyé ce message:
 

Apprenez les langues, toutes les langues,
car elles sont toutes aussi belles les unes que les autres
pour que le dialogue entre les cultures ne cesse jamais.
Mais avant tout: apprenez le langage du coeur.
 

Mir laded eui alli jetzt herzlich i zuenere chlini Schtärkig und hoffed, dass ihr no es Wili bi euis blibed oder mer ladenech aoui jetzt härzlich i – und chömed guet hei.
 

Merci beaucoup
 

le 9 janvier 2004, Christine Le Pape Racine

Nachrufe

Nachrufe

 

Dr. Samuel Schild, Nachruf im Jahresbericht 2003 der Pädagogischen Fachhochschule des Kantons Solothurns

Nachruf im Jahresbericht 2003 der Pädagogischen Fachhochschule des Kantons Solothurns
 
Dr. Samuel Schild
 
Professor Dr. Jean Racine, 1939 – 2003
 
Le vent mauvais nous l`a ôté – vulnéré, mis à mort, emporté.
Que sont mes amis devenus, que j`avais de si près tenus et tant aimés ?
Je crois le vent les a ôtés……

 
Auf seinem Arbeitstisch lag früher immer ein dickes lachsfarbenes Buch : ein alter Larousse, ein Relikt aus der Zeit des französischen Jugendstils, das Wörterbuch der französischen Sprache. Faszinierend die Vorstellung, dass da Jahrhunderte von Kultur und ganz Frankreich drin waren. Und in kleineren Lettern stand unter dem Titel der Satz: Je sème à tous vents, mit einer weissen Löwenzahnblüte illustriert. Wir erwogen als Studenten einmal, den Larousse auswendig zu lernen, fanden aber schliesslich, seinem Motto zu folgen und Sprache in alle Winde zu säen, sei auch etwas.
 
Ich habe in meiner Schulkarriere niemanden kennen gelernt, der lockerer, lustiger oder lustvoller gesät hätte als Jean Racine. Darin steckte aber auch viel Disziplin und beruflicher Ehrgeiz: Höher zielen, als man treffen will, das war die bewährte Devise, der zu folgen war, wenn im Unterricht etwas Besonderes, wenn Qualität entstehen sollte. Und Qualität hiess damals, in den Siebzigerjahren, soviel wie weg vom Alten sogenannt Bewährten, weg von der Käfighaltung, weg vom Stoff- und Notendruck (natürlich auch weg von autoritärer Mimikry, weg von pädagogischen Sadismen).Was andern noch lieb sein mochte, war Jean nicht teuer, sondern fremd. Sein Konzept war die offene Schule, das entdeckende Lernen nach den paar Grundregeln: lockern statt lähmen, bewegen statt fesseln, unterstützen statt fallen lassen. Es war ein Teil der Freundlichkeit, die man der Welt entgegenbringen muss. Und es war, wie sich schnell zeigte, erfolgreich.
 
Ganz ohne Gegenreaktionen seitens des „Bewährten“ ging es allerdings nicht: Eines Tages meldete sich die Obrigkeit. Der übermütige Neuerer sollte in die Knute genommen und diszipliniert werden: Er musste nachsitzen. Er musste auf viele unangenehme Fragen viele unangenehme Antworten (wenn möglich widerspruchsfrei) beim Departement schriftlich einreichen. Das waren Stilübungen der besonderen Art.
 
Jean suchte dem Ernst des Lehrens und Lernens, des Lebens nicht auszuweichen, aber er liebte es, ihm spielerisch beizukommen. So verführte er sich und andere immer wieder zum Spielen, im Unterricht, im Lehrerzimmer, im Schulhaus, in der Beiz, er war wohl ein bisschen getrieben, vielleicht sogar süchtig nach der Leichtigkeit des Als-ob, der Verwandlung des Gegebenen in Szene. „Theater in der Schule“, „Lehrer lernen Spielen“, „Spielformen im Fremdsprachenunterricht“ sind Titel seiner ersten Veröffentlichungen. Und auch seine nebenberufliche Tätigkeit bewegte sich im Banne des Spiels: Ab 1980 entstanden viele grosse Theaterprojekte mit der Gruppe Sine Nomine, die 1995 vom Kanton Solothurn mit dem Preis für Theaterschaffen ausgezeichnet wurde Und Arm in Arm mit dem Spiel ging seine Musikalität, seine Musik – er hat uns immer wieder entführt und gerührt mit seiner Musik, mit seinem Gesang, seinen Konzerten mit den Fazzoletti, mit seinem Accordéon, mit seinem Örgeli. Zuletzt noch einmal an der Finissage der Hans-Jauslin-Ausstellung im Schlösschen Vorderbleichenberg in Biberist, Ende Oktober 2003.
 
Jean und andern ist es zu verdanken, dass dem Sprachunterricht in den vergangenen 30 Jahren neue – vorher nicht entdeckte, noch tabuisierte oder noch unterdrückte – Formen und Dimensionen gegeben wurden. Er hat die Gleichberechtigung der Sprachen und Kulturen gefordert, er hat sie gelebt und in die Politik eingebracht.
 
Sein chef-d’oeuvre in der Bildungspolitik war die Einführung des Französischunterrichts auf er Ebene der Primarschule unseres Kantons: Sie umfasste auch die zusätzlich notwendige Weiterbildung der betroffenen Primarlehrerinnen und Primarlehrer. Auf Seminarebene, für die Seminaristinnen und Seminaristen, konzipierte er den fünfwöchigen Kompaktkurs in Neuenburg: ein mit allen Essenzen seiner Kreativität angereichertes bain de langue,das tief eindringen und nachhaltig wirken wollte: on voulait apprendre à se comprendre, apprendre pour la vie.Ich kenne im Rahmen der Reform der Lehrerausbildung kein überzeugenderes Schulprojekt als diesen Kurs, den Jean 20 mal geleitet hat, in den letzten Jahren zusammen mit Christine Le Pape Racine.
 
Jeans Leistungen als Sprach- und Kulturvermittler erregten auch in Paris Aufsehen:1992 hat Jack Lang, Minister für Kultur, Jean deshalb zum Officier des Palmes Académiques, zu einer Art französischem Ritter schlagen lassen.. Nicht in Notre-Dame, aber in der Ambassade de France à Berne et avec faste.
 
Als Kunstpreisträger 2003 hat er am 17. November noch einmal sein Credo und seine kulturelle Mission formuliert :
 
„Wir können eine Sprache nicht beherrschen, wir können sie bewohnen. Und so können wir auch sagen: Hereinspaziert in die Sprachen, bewohnt sie, so gut es geht, versucht mit ihnen etwas anzufangen und tragt Sorge zu ihnen, indem ihr sie brauch). Gebrauchte Sprachen gehen nicht zugrunde, selbst wenn sie malträtiert werden. Ungebrauchtee Sprachen hingegen verschwinden ….“
 
„Mehrsprachigkeit soll ein europäisches Ziel bleiben oder werden, das Frieden erhalten oder stiften kann. Mehrsprachigkeit als Ziel für unsere Jugend, für unser Land, für Europa ist gesetzt und in der Theorie akzeptiert, bald einmal auch in der Praxis.“
 
Das ist ein hohes Bildungsziel, ein hohes sozial- und kulturpolitisches Ziel, an dem sich eine Gesellschaft messen kann.
 
Und von dem sich sagen liesse:
 
Sur mes cahiers d’écolier
Sur mon pupitre et les arbres
Sur le sable sur la neige
J’écris ton nom.
(P. Éluard)
 
Dr. Samuel Schild

Dr. Samuel Schild, A la Mémoire de Jean Racine - Vorgeschichten und Episoden aus unserer Freundschaft
(Solothurner Zeitung, 8. Januar 2003)

A la Mémoire de Jean Racine – Vorgeschichten und Episoden aus unserer Freundschaft
 
Dr. Samuel Schild, Weggefährte des Verstorbenen, blickt zurück
 
(Solothurner Zeitung, 8. Januar 2003)
 
Über Jeans frühe Lebensjahre weiss ich wenig, tappe im Dunkeln, wie jetzt auch wieder, nach seinem Tod.
 
Er war in Ipsach zur Schule gegangen, hatte dort eine wunderbare Lehrerin, von der er gerne sprach..
 
Marietta erzählte später vergnügt aus ihrer gemeinsamen Schulzeit, von den Absprachen und Verhandlungen unter den Schulschätzen: wer welche, wer welchen haben könne. Es sei ihr nach langem Reden mitgeteilt worden, sie könne den Jean nun haben. Diese Absprache hatte Auswirkungen bis in die Studienzeit. An Freitagen war Jean nicht da, er war in Ipsach, zum Beispiel im gemischten Chor. „Ipse“, das tönte magisch, war aber nicht unbelastet. Jean hatte seine Matur am Realgymnasium in Biel gemacht, hatte aber sein Elternhaus bereits definitv verlassen und ein winziges Mansardenzimmer gemietet in Bern, in der Lorraine. Wir waren also 20, hatten eine Matur gemacht, waren schön unreif und bereit, uns weiterhin aufs Leben einzulassen. Wir sollten etwas Rechtes werden, auch wenn wir nicht auf Rosen gebettet waren. Wir trafen uns 1959 als Lehramtskandidaten an der Universität in Bern. Wenn Jean sich unter Studenten mischte, fiel er sofort auf: er konnte einen Naiven, einen Schüchternen, einen Sprachgehemmten oder Ängstlichen mimen – er konnte aber plötzlich auch laut pöbeln, verbale Tiraden, Scherze, Frechheiten in die Runde schmeissen. Er hatte das Zeug zum Clown, zum Narren, er war der Spieler, der klar machte, dass er mit sich und andern spielen wollte. Sein Gesicht konnte auch Verstörung, Trauer, Zorn andeuten. Naiv, wer ihn als naiv einschätzte, auf der falschen Spur, wer dachte, er sei ein welscher Landstreicher oder Blagueur aus Biel. Er hätte aus der Familie Robert Walsers stammen können. Er trug andere Kleider, etwas nonchalanter, pfiffiger oder auffälliger als der Berner Durchschnitt. Zum Beispiel ein Samtband locker vor den Hemdkragen gebunden anstelle einer Krawatte.
 
Eines Tages boten meine Eltern ihm ein Zimmer an. Meine Mutter schloss Jean sofort ins Herz, meine Schwestern waren schon unter der Haube; mein Vater, freundlich sanft, schmunzelte, wenn wir besonders aufgeregt oder besonders sachlich wichtige Anlässe ankündigten:„Habt ihr irgendwo ein Paar Schuhe vergessen?“
 
Leider starben meine Eltern bald und wir waren nun beide arm wie Kirchenmäuse. Das Schicksal wollte es so. Wir hatten aber immer das Glück, das wir brauchten, um überhaupt studieren zu können.. Dafür waren wir dankbar: Es waren Verwandte und Freunde, die uns aufnahmen, später auch Professoren und Dozenten, die uns Stipendien zusprachen.
 
Wir kamen, wie man sagt, auf die Welt: Wir wurden in die verschiedenen Quartiere Berns geschickt, um auf allen Stufen in allen Fächern Unterrichtserfahrungen zu sammeln. Wir sammelten von der Länggasse hinüber in die Lorraine, hinunter in Matte, hinauf in den Obstberg und ins Kirchenfeld, quer durch Berns Soziologie sollten wir überall eine richtige Nase voll nehmen. Soziale, politische und pädagogische Fragen stellten sich dort selbst, die mussten wir nicht suchen gehen. Zu pflegen hatten wir ebenso die musischen Seiten. Der Zeichenlehrer war ein älterer beschaulicher Mann, der uns beibrachte, „ES“ zu spüren. Jean schnitt dort seine Vermählungsanzeige in Holz oder Linoleum und bewies damit unserem Lehrer, dass er auf dem richtigen Weg war.
 
Das war er – vielseitig begabt – auch im Sport. Er zeigte fulminante Reckübungen. Und an der Schlussprüfung liess sich unser Experte, ein hoher Offizier aus dem Berner Adel, angesichts unserer Übungen gar zum Ausruf hinreissen: „Das nenn’ ich Turnen, alle Achtung, meine Herren!“ Irgendeinmal kamen wir aufs Thema Militär – es hatte so viele Männer an der Uni und so viele Aspiranten unter ihnen, dass es nicht zu vermeiden war. Jean sagte, er mache nicht. Später erfuhren wir, dass er bei der Aus-Hebung in Biel unglücklich und unwillentlich aufgefallen war. Ein Aushebungsoffizier habe geschrien: „Deutsch oder Welsch?“ , und Jean, verunsichert, er hatte Gehörprobleme, antwortete offenbar nicht in der vorgesehenen Zeit. So scheiterte der spätere „Monsieur Bilingue“ ausgerechnet an einer „linguistischen“ Frage: Er wurde ausgemustert. Dafür hatte er ein Jahr geschenkt bekommen. Wir waren damals wohl in einer Märchenphase. Jean Schuhfetischismus führte uns jedenfalls immer wieder in Schuhgeschäfte. In Anlehnung an Aschenbrödel inszenierte er mit Schuhen und Verkäuferinnen das Spiel Rukediku, kein Blut im Schuh – und er hatte, wieder, was er gesucht hatte: eine Szene gespielt und ein Paar Schuhe bekommen
 
Schon 1968 inszenierte Jean anspruchsvoller in den Aulen der Berner Gymnasien Kleist, Grillparzer, Büchner, Shakespeare, schrieb in Bunschen im Simmental seine Dissertation.
 
Das roch nun schon sehr nach Doktorat und einer Stelle für „Deutsch und ein weiteres Fach“. Die gabs 1971 in Solothurn. Gut, dass wir gekommen waren. In gewissen Kreisen schrieb man Akkusativ noch mit „ck“ oder bot untaugliche Eselsleitern an. Du sollst der Akkusativ nicht vergessen. Umso überraschender, dass man an höchster Stelle im Kanton befürchtete, wir hätten es darauf angelegt, den Genitiv auszumerzen…. Das ist lange her, 30 Jahre, eine Generation. Wir waren eine am Seminar. Vor ein paar Monaten gab mir Jean ein Blatt. Er sei am Aufräumen. Das Blatt enthält die Fachausdrücke des Jeu de Boules. Montpellier kam mir in den Sinn und La Rochelle, wo wir drei Monate lebten, und dass wir Boules von Neuenburg aus auf der Insel beim Rousseau-Denkmal den Seminaristinnen und Seminaristen vorgeführt hatten. “Une poussette“, ein schöner Begriff für feines Spiel und eine feine Didaktik zugleich: der Kugel / dem andern ein „Müpfchen“ geben, damit sie / er ein bisschen Fortschritte mache. Das Prinzip, das Jean und Christine Le Pape Racine fortwährend angewandt haben. Am 30. Dezember gingen wir mit Jean an sein Grab. Er wurde mit Prosa, Musik, Gesang und Gedichten noch einmal gefeiert, dann in Rosenblüten gebettet.
 
Alle sagten Adieu. Alas poor Yorick!
 
Öffentliche Abschiedsfeier am 9. Januar 2003, Reithalle Solothurn

Ernst Wüthrich, Mühledorf
Schulblatt Solothurn/Aargau Nr. 8/2004 und Solothurner Kalender 2005 S. 73/74

Nachruf André – Jean Racine
 
Es war an einem schönen Frühsommerabend anfangs der 70-er Jahre, als ein mir unbekannter Mann mit seinem Velo vor unser Haus hier in Mühledorf fuhr und mich fragte, ob ich auch an die heutige Gemeindeversammlung käme. Nach einem kurzen Wortwechsel war mir klar, dass ich da einen ganz besonderen Menschen kennen lernen durfte. Jean und ich ahnten damals beide noch nicht, wie viele interessante, bewegte und bewegende Stunden wir gemeinsam verbringen würden. Der „Herr Professor“ – wie er respektvoll von unserer Wirtin genannt wurde – war anfangs 1972 mit seiner Familie nach Mühledorf gezogen.
 
Jean Racine wurde am 31. März 1939 geboren. Die ersten Lebensjahre verbrachte er in Grenchen, die Primarschulzeit in Ipsach am Bielersee. Am Gymnasium in Biel schloss er seine obligatorische Schulzeit ab. Danach liess er sich zum bernischen Sekundarlahrer ausbilden. Sein Studium schliesslich schloss er in Germanistik und Romanistik mit anschliessendem Doktorat an der Universität in Bern ab. Im Jahre 1970 wurde er am Lehrerseminar in Solothurn angestellt.
 
Wer in den folgenden Jahren und Jahrzehnten mit Jean beruflich oder bei einer Freizeittätigkeit zusammenarbeiten konnte, stellte sich zugleich einer lebendig/ fordernden und anspruchsvollen Auseinandersetzung. Seine Begabungen und seine Interessen waren derart vielfältig, dass ihm kaum eine Tätigkeit fremd war. Dabei hielt er sich auch nicht zurück, wenn es darum ging „Bürgerpflichten“ zu erfüllen. So war er mit aller Selbstverständlichkeit in der Dorffeuerwehr, half bei Gemeindewerken mit oder betreute tagelang den Flohmarkt anlässlich der Dorffeste. Wie oft habe ich erleben können, wie Leute staunten, mit welcher Leichtigkeit und Natürlichkeit er Türen öffnen konnte, die anderen verschlossen bleiben mussten, wie er auf Menschen zugehen konnte. Mit seinem Charme, mit seinen starken Argumenten, mit seiner sprachlichen Gestaltungskraft, seiner Ausdauer und Hartnäckigkeit überzeugte er seine Gegenüber fast immer. Mit grosser Vehemenz setzte Jean diese seine Fähigkeit, Überzeugungsarbeit zu leisten, in der parteipolitischen Arbeit um. Er verhalf so – zusammen mit Freunden – der SP-Bucheggberg zu einem neuen Profil, zu mehr Selbstbewusstsein und Anerkennung.
 
Bei all seinem Tun war er stets von der Überzeugung geleitet, dass unsere Welt, unsere Gesellschaft gerechter, menschlicher und ehrlicher werden müsste. In diesem Bemühen konnte er mit seinen Ansprüchen auch ungeduldig/fordernd sein, so dass seine Gegenüber gelegentlich hilf- und sprachlos wurden.
 
Als ausgebildeter Germanist und Romanist, aber auch dank seinem grossen Interesse an der Sprachvermittlung und am Sprachgebrauch brachte er die besten Voraussetzungen für die unterschiedlichsten Engagements auf diesem Gebiet mit.
 
Von 1970 bis 1997 unterrichtete er am Lehrerseminar in Solothurn. Dort setzte er sich bald zusammen mit Kollegen für eine Reform der Lehrerausbildung ein. Seine Vorstellungen über einen zeitgemässen Unterricht und über notwendige Reformen konnte er nur ansatzweise umsetzen helfen. Widerstand formierte sich sowohl seitens der Lehrerschaft wie auch aus Kreisen der Bildungspolitik. Im Verlauf der Jahre übernahm er vermehrt die Leitung und die Organisation der verschiedensten Weiterbildungskurse. So war er in den Jahren 1978 – 1993 „Beauftragter für die Einführung des Französischunterrichts an der Primarschule im Kanton Solothurn.“ Anschliessend arbeitete er am gleichen Projekt im Kanton Zürich mit. Vielen Lehrkräften des Kantons Solothurn sind in diesem Zusammenhang die Kurse, die Jean damals in Regionen der Suisse Romande und in französischen Städten durchführte oder organisierte, in lebendiger Erinnerung. Immer schon war seine Überzeugung, dass wir uns beim Erwerb einer Fremdsprache unvoreingenommen und unbelastet in die fremde Sprache und ihre Kultur begeben müssten. In seiner Rede anlässlich der Verleihung des Kunstpreises des Kantons Solothurn im November des vergangenen Jahres, hat er dies wie folgt formuliert: „Wir können eine Sprache nicht beherrschen, wir können sie bewohnen. Und so können wir auch sagen: Hereinspaziert in die Sprachen, bewohnt sie, so gut es geht, versucht mit ihnen etwas anzufangen und tragt Sorge zu ihnen, indem ihr sie braucht. Gebrauchte Sprachen gehen nicht zugrunde, selbst wenn sie „malträtiert“ werden. Ungebrauchte Sprachen hingegen verschwinden.“
 
Beispielhaft dafür kann das „Funkkolleg Französisch“ erwähnt werden, bei dem er als Autor mitwirkte und für das er 1984 den Radiopreis der „Berner Stiftung für Radio und Fernsehen“ erhielt. Ebenso eindrückliches Beleg für sein Engagement im Sinne nachhaltig orientierter Sprach- und Kulturvermittlung waren die fünfwöchigen Intensivkurse für Seminaristinnen und Seminaristen, die er während 20 Jahren, von 1983 – 2003 in den Sommermonaten in Neuenburg durchführte. Dass sein Engagement für die Vertiefung der französischen Sprache auch in Frankreich anerkannt wurde, durfte er mit der Verleihung des Ordens „Officier de l`Ordre des Palmes Académiques“ durch den französischen Kultur- und Erziehungsminister erfahren. Mit grosser Befriedigung durfte er diese Tätigkeit als Sprach- und Kulturvermittler schliesslich in der Funktion als Geschäftsführer der Stiftung „Forum für die Zweisprachigkeit“ der Stadt Biel als „Monsieur Bilingue“, ausüben.
 
Neben dieser hauptberuflichen Tätigkeit pflegte Jean noch verschiedene weitere Interessen. Eine davon war das Theaterspiel. Im Rahmen des Lehrerweiterbildungsprogramms führte er die unterschiedlichsten Kurse für Schulspiel und Schultheater durch. Gross war sein Einsatz vor allem aber in der Musik- und Theatergruppe „Sine Nomine.“ Ebenso begeistert spielte er in den Musikgruppen „Fazzoletti“ und in der „Buechibärger Oergelimusig“ mit. An vielen Konzerten, aber auch an anderen Anlässen und losen Zusammenkünften, erfreute er Zuhörerinnen und Zuhörer mit seinem Oergeli und mit seiner schönen Stimme. Das vielfältige Engagement von Jean bewog den Regierungsrat des Kantons Solothurn Im Jahre 2003 dazu, ihm den Kunstpreis für Sprachenpädagogik und Kulturvermittlung zu verleihen.
 
Im September 2003 diagnostizierten die Ärzte eine heimtückische Krankheit, an der er innert nur drei Monaten, am 24. Dezember 2003, verstarb.
Am 9. Januar 2004 nahmen viele Menschen an einer würdigen Feier von Jean Abschied.

Christine Beerli, Forum du bilinguisme - Forum für die Zweisprachigkeit

Forum du bilinguisme – Forum für die Zweisprachigkeit
 
Rapport annuel 2003 – Jahresbericht
 
Adieu à Jean Racine
 
Ende September erhielt Jean am selben Tag zwei aussergewöhnliche Nachrichten: eine sehr erfreuliche und eine abgrundtief traurige. Vielleicht ist dies bezeichnend für das Leben von Jean: er setzte sich voll ein, engagierte sich mit seiner ganzen Persönlichkeit. Ein Zwischendurch gab es nicht. Die erfreuliche Nachricht war, dass er den Solothurner Kunstpreis 2003 erhalten hatte. Die unfassbar traurige, dass er unheilbar krank war. Der Kunstpreis wurde ihm am 17. November 2003 in Lüterkofen SO übergeben. André Jean Racine starb am 24. Dezember 2003 in seinem Heim in Mühledorf.
 
Jean Racine war von 1997 – Oktober 2002 Geschäftsführer des Forums für die Zweisprachigkeit. Er hat dieses Forum zu dem gemacht, was es heute ist, hat ihm seine Ausstrahlung verliehen. Jean war in beiden Sprachen zuhause. Stellte man sich ihn mit Baskenmütze und einem Baguette unter dem Arm vor, entstieg er als Typ einem französischen Film. Mit Hosenträgern und Schwyzerörgeli jedoch konnte er ohne weiteres den urchigsten Deutschschweizer verkörpern. Das ging nur daher so mühelos und ohne „gespielt“ zu wirken, weil Jean beide Kulturen in sich aufgenommen hatte und den Menschen in beiden – in allen Kulturen – von Herzen zugetan war. Er liebte die Sprache und studierte sie, weil er die Menschen liebte und verstehen wollte.
 
Jean hat bei uns allen, die wir ihn kennen und mit ihm befreundet sein durften, eine riesige Lücke hinterlassen. Gleichzeitig hat sein Weggang uns in die Pflicht genommen: wir sind gehalten, die Aufgabe, die er begonnen hat, weiter zu führen, uns dafür einzusetzen, dass der Bilinguismus eine Zukunft hat, die Mehrsprachigkeit zur Verständigung zwischen Menschen führt. Wir haben den Auftrag verstanden und werden alles daran setzen, auf dem Weg weiter vorwärts zu gehen.
 
Biel, 21. Juni 2004
Christine Beerli

Max Huwyler

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